Ich saß auf der Bank und spürte wie mich die Hoffnung gänzlich verließ, wie ich mich langsam ins Nichts verlor, ohne dass ich es verhindern konnte. Nie fühlte ich mich so elend. Das machte mir Angst. Es ging hier nur um mich. Ich allein war hilflos. Ich allein war dafür verantwortlich. Ich war allein, allein in einer mir immer grausamer erscheinenden Welt. Ich habe alles gegeben, was soll ich noch tun, meine Seele verkaufen?!!! Ich fühle mich nackt und bloß, zur Sau gemacht. Ja ihr habt mich kein gekriegt, bekriegt, niedergemetzelt, mein Selbstbewußtsein ist nicht mehr, Stolz? Ich weiß nicht mehr, was das ist. Ich bin ein Kriegskrüppel geworden. Ich habe alles verloren. Ich wollte ich könnte schreien und mich würde jemand erhören, mir Gnade gewähren. Ich habe auch das letzte Fünkchen Verständnis für diese Welt verloren. Meine Seele ist zu Stein erstarrt, leben tue ich schon lange nicht mehr. Liebe, ich kenne sie nicht mehr. Ich vegetiere vor mich hin. Es ist alles so gleichgültig geworden. Irgendwann spürt man die Hiebe nicht mehr im Fleisch, man ignoriert sie, sie sind normal, sie sind das Leben, man kennt nichts anderes mehr. Doch ich weiß, ja ich weiß, ich gehöre nicht in diese Welt. Ich sehne mich nach meiner wahren Heimat. Diese Welt ist wie eine Läuterung. Ich werde sie erleiden mit all ihren Qualen und dann werde ich zu dir zurückkehren. Ich werde erschöpft sein, aber glücklich, wieder heimkehren zu können und zu wissen, dich zu treffen, dich dort zu finden. Ich werde mich in deinen Schoß legen und meine Wunden werden heilen. Ich werde die Sonne wieder aufgehen sehen und ich werde die Wolken wieder über den Himmel ziehen sehen, wie Berge aus Licht. Und ich werde nicht sprechen müssen und ich werde meine Erinnerungen an meine Läuterungen löschen. Ich werde ein neues Leben beginnen. Ich werde nicht zurückblicken und niemals zurückkehren. Ich werde das Licht betreten, das mich für alle Zeit mit dir verbindet und ich werde voller Leben, voller Liebe sein und alle Zeit wird aufgehoben sein … Diese Welt demütigt mich vor mir selbst. Ich bin unendlich verloren zwischen tausend blutigen Speeren. Ich bin längst abgestumpft gegen ihre scharfen Spitzen.
Heutige Kriege werden anders gefochten. Jeder muss allein einen Psychokampf gegen die ganze Welt aufnehmen, allein. Es ist dein Geist, den sie foltern.
Ich krümmte mich auf der Bank voll Schmerzen, vor Existenzangst. Ich weiß nicht, warum ich mich nicht umbringen wollte, ich glaube nicht einmal dazu in der Lage gewesen zu sein. Ich weiß jetzt, wie man verrückt wird, wie der Verstand dieser Welt entgleitet. Nichts hält dich mehr, außer dein Körper. Und so stehst du zwischen dieser und der anderen Welt wie im Nichts. Aber das Nichts heilt, es tröstet, es hüllt ein in die Ewigkeit.
17.05.2004
|