Zu Anfang läufst du fröhlich durch die Welt, findest alles neu und toll und aufregend, und begrüßt die Menschen, lächelst sie freundlich an, reichst ihnen die Hand. Wenn du Glück hast, reichen sie dir ihre und lächeln dich auch an; du bist ja noch so klein und jung, ein Kind, sagen sie sich. Und du gehst fröhlich weiter. Aber es gibt so wenig Menschen auf dieser Welt, und du wirst die meiste Zeit deines Lebens auf Ungeheuer, Monster, Drachen, Unmenschen treffen. Meistens merkt man es erst spät, denn man kann es kaum glauben. Man läuft fröhlich die Straße entlang, lächelt den „Menschen“ entgegen und sie gehen an einem vorbei, oder sie schlagen dich. Ach, da haben sie sich sicher vertan und mich mit jemandem verwechselt. Das kann schon mal passieren. Aber sie schlagen dich noch einmal, und wieder. Vielleicht habe ich etwas falsches getan, aber was? Man denkt nach, was man falsch getan haben könnte und macht sich damit krank, macht sich kaputt, zweifelt an sich. Aber man wird wieder geschlagen. Vielleicht ist das ja normal? Macht man das so? Ich weiß nicht? Mein Lächeln ist nun mehr gezwungen, aufgesetzt, ich traue es mich kaum noch, gehe geduckt. Ich weiß nicht, ich verstehe diese Welt nicht und weiß nicht, was das soll. Ich möchte nicht so werden, wie andere mich haben wollen. Ich bin doch ein eigener Mensch. Was soll ich von den Unmenschen halten? Kann ich sie ernst nehmen? Warum darf ich nicht der Mensch sein, der ich sein will? Das junge Kindervertrauen ist schnell zerstört, wird früh begraben. Es wurde vergiftet, abgetötet. Das Lächeln ist erloschen, das Herz verschlossen, zerstochen, die Seele gefesselt, eingesperrt, geknebelt. Das ist kein Lebensgefühl mehr. Kein happy end. Wie helfen? Wie heilen? Wie schützen? Ich möchte mein Held sein können, stark und rettend, der meine kleine Seele in seine großen Arme schließt, mich anlächelt und ich lächle zurück und ich bin fröhlich und spüre das Leben. Und ich brauche keine Angst mehr haben, muss mein Vertrauen niemals verlieren. Vereint schaffen wir das doch, gegen alles anzukommen, oder? Du passt auf mich auf, nicht war?
11.10.2004
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